KI-Schulung für Mitarbeiter: Inhalte, Formate und worauf es ankommt
Die KI-Schulungspflicht nach dem AI Act ist da. Was muss eine gute KI-Schulung enthalten? Welche Formate gibt es? Worauf sollten Sie bei der Auswahl achten?
KI-Schulung für Mitarbeiter: Inhalte, Formate und worauf es ankommt
Das Wichtigste in Kürze: Seit dem 2. Februar 2025 gilt die KI-Kompetenzpflicht nach Art. 4 der KI-Verordnung (VO (EU) 2024/1689). Jedes Unternehmen, das KI-Systeme einsetzt, muss sicherstellen, dass seine Mitarbeiter über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Eine strukturierte KI-Schulung ist der effektivste Weg, diese Pflicht zu erfüllen. Doch Schulung ist nicht gleich Schulung: Die Inhalte müssen die Grundlagen künstlicher Intelligenz, den regulatorischen Rahmen, Datenschutzaspekte und den praktischen Umgang abdecken. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Inhalte eine gute KI-Schulung enthalten muss, welche Formate es gibt und nach welchen Kriterien Sie den richtigen Anbieter auswählen.
Künstliche Intelligenz ist längst in der Arbeitswelt angekommen. ChatGPT, Microsoft Copilot, KI-gestützte Analyse-Tools -- in fast jeder Branche nutzen Mitarbeiter bereits KI-Anwendungen, oft ohne dass das Unternehmen es systematisch erfasst hat. Mit dem AI Act hat die Europäische Union nun klare Regeln geschaffen. Und eine der ersten Pflichten, die in Kraft getreten ist, betrifft genau dieses Thema: die KI-Schulung von Mitarbeitern.
Doch was genau muss eine solche Schulung enthalten? Reicht ein einstündiges Webinar, oder braucht es ein umfassendes Trainingsprogramm? Welches Format passt zu Ihrem Unternehmen? Und wie erkennen Sie eine wirklich gute Schulung?
Dieser Leitfaden gibt Ihnen alle Antworten -- praxisnah, strukturiert und mit klarem Bezug zu den gesetzlichen Anforderungen.
Warum KI-Schulung jetzt Pflicht ist
Art. 4 AI Act: Die KI-Kompetenzpflicht seit Februar 2025
Am 2. Februar 2025 ist Art. 4 der europäischen KI-Verordnung (VO (EU) 2024/1689) anwendbar geworden. Die Vorschrift trägt den Titel „KI-Kompetenz" und verpflichtet alle Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, Maßnahmen zu ergreifen, um ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz bei ihrem Personal sicherzustellen.
Der Wortlaut ist bewusst weit gefasst: Art. 4 spricht von Anbietern und Betreibern -- also nicht nur von Unternehmen, die KI-Systeme entwickeln, sondern ausdrücklich auch von solchen, die KI-Systeme lediglich einsetzen. In der Praxis bedeutet das: Sobald Ihr Unternehmen ein KI-Tool nutzt -- sei es ein Chatbot im Kundenservice, ein KI-gestütztes Recruiting-Tool oder schlicht ChatGPT am Arbeitsplatz -- greift die Pflicht.
Was Erwägungsgrund 20 konkretisiert
Erwägungsgrund 20 (ErwG 20) der KI-Verordnung präzisiert, was unter KI-Kompetenz zu verstehen ist. Demnach umfasst sie die Fähigkeiten, Kenntnisse und das Verständnis, die es ermöglichen, KI-Systeme sachkundig einzusetzen. Die Schulung soll dabei die konkreten Umstände berücksichtigen:
- den Kontext, in dem die KI-Systeme eingesetzt werden
- die Personen oder Gruppen, die davon betroffen sind
- den technischen Hintergrund und die Erfahrung der jeweiligen Mitarbeiter
Das bedeutet: Eine Einheitsschulung für alle reicht nicht aus. Die KI-Schulung muss rollenspezifisch und auf die tatsächlichen Einsatzszenarien im Unternehmen zugeschnitten sein.
Keine Übergangsfrist -- die Pflicht gilt jetzt
Anders als viele andere Pflichten des AI Act (etwa die Hochrisiko-Anforderungen, die erst ab August 2026 gelten) ist die KI-Kompetenzpflicht bereits seit über einem Jahr anwendbar. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter noch nicht geschult haben, befinden sich also bereits im Verzug. Zwar gibt es in Deutschland noch keine spezifische Durchsetzungsbehörde mit Bußgeldpraxis zu Art. 4, doch das kann sich schnell ändern. Und bei einem möglichen Verstoß gegen andere AI-Act-Pflichten wird die fehlende KI-Schulung als erschwerender Faktor gewertet.
Die Verbindung zu Art. 26: Betreiberpflichten
Art. 26 der KI-Verordnung legt umfassende Pflichten für Betreiber von Hochrisiko-KI-Systemen fest. Unter anderem müssen Betreiber sicherstellen, dass Personen, die für die menschliche Aufsicht zuständig sind, über die nötige Kompetenz verfügen (Art. 26 Abs. 1). Die KI-Schulung nach Art. 4 ist damit die Grundlage, auf der die weitergehenden Betreiberpflichten aufbauen.
Was muss eine KI-Schulung enthalten?
Eine wirksame KI-Schulung für Mitarbeiter sollte mindestens sechs Kernmodule abdecken. Diese ergeben sich aus den Anforderungen der KI-Verordnung, der DSGVO und der praktischen Notwendigkeit, Mitarbeiter auf den sicheren Umgang mit KI vorzubereiten.
Die 6 Pflichtmodule im Überblick
| Nr. | Modul | Inhalte | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|---|
| 1 | Grundlagen KI | Was ist künstliche Intelligenz? Wie funktionieren maschinelles Lernen, neuronale Netze und große Sprachmodelle? Unterschied zwischen starker und schwacher KI. | Ohne ein Grundverständnis der Technologie können Mitarbeiter weder Chancen noch Risiken realistisch einschätzen. ErwG 20 verlangt explizit technisches Grundwissen. |
| 2 | AI Act Überblick | Risikoklassen (verboten, hoch, begrenzt, minimal), Pflichten für Anbieter und Betreiber, Fristen, Sanktionen. | Mitarbeiter müssen verstehen, welche Regeln für den KI-Einsatz in ihrem Unternehmen gelten und welche Konsequenzen bei Verstößen drohen (Art. 99: bis zu 35 Mio. € Bußgeld). |
| 3 | DSGVO und KI | Rechtsgrundlage für KI-gestützte Datenverarbeitung, Betroffenenrechte, Datenschutz-Folgenabschätzung, automatisierte Einzelentscheidungen (Art. 22 DSGVO). | KI-Systeme verarbeiten fast immer personenbezogene Daten. Die DSGVO (VO (EU) 2016/679) stellt eigenständige Anforderungen, die neben dem AI Act gelten. |
| 4 | Praktischer Umgang | Do's und Don'ts beim Einsatz von ChatGPT, Microsoft Copilot und anderen KI-Tools. Promptgestaltung, Qualitätskontrolle, Dokumentation. | Die meisten Compliance-Risiken entstehen im Alltag: wenn Mitarbeiter vertrauliche Daten in ChatGPT eingeben, KI-generierte Texte ungeprüft übernehmen oder KI-Outputs als eigene Analyse ausgeben. |
| 5 | Risiken und Grenzen | Halluzinationen (KI-generierte Falschinformationen), algorithmische Verzerrung (Bias), fehlende Nachvollziehbarkeit, Haftungsfragen. | Nur wer die Grenzen von KI kennt, kann sie verantwortungsvoll einsetzen. Art. 4 verlangt ein Verständnis der Risiken, ErwG 20 betont die Bedeutung kritischer Kompetenz. |
| 6 | Unternehmensspezifische Richtlinien | Interne KI-Policy, genehmigte Tools, Freigabeprozesse, Meldewege bei Problemen, Verantwortlichkeiten. | Jedes Unternehmen hat eigene Regeln für den KI-Einsatz. Die Schulung muss diese vermitteln, damit Mitarbeiter wissen, was konkret erlaubt ist und was nicht. |
Warum sechs Module das Minimum sind
Es mag verlockend sein, die Schulung auf ein oder zwei Themen zu beschränken -- etwa nur die „Grundlagen" oder nur den „praktischen Umgang". Doch das wäre unzureichend. Die KI-Verordnung verlangt ein umfassendes Verständnis, das technische, rechtliche und praktische Aspekte verbindet. Eine Schulung, die nur die Technik erklärt, aber nicht auf Datenschutz eingeht, oder die nur regulatorische Pflichten auflistet, aber keinen Praxisbezug herstellt, erfüllt die Anforderungen des Art. 4 nicht.
Zudem sollten die Module nicht isoliert behandelt werden, sondern aufeinander aufbauen. Wer die Grundlagen versteht (Modul 1), kann die regulatorischen Anforderungen einordnen (Module 2 und 3), diese im Alltag anwenden (Modul 4), dabei die Risiken im Blick behalten (Modul 5) und weiß, an welche internen Regeln er sich halten muss (Modul 6).
Formate im Vergleich: Welches KI-Training passt zu Ihrem Unternehmen?
Die Wahl des richtigen Schulungsformats hängt von mehreren Faktoren ab: Unternehmensgröße, Budget, zeitliche Flexibilität und Lernkultur. Hier ein systematischer Vergleich der gängigen Formate:
Übersicht der Schulungsformate
| Format | Vorteile | Nachteile | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Online / E-Learning | Flexibel in Zeit und Ort; skalierbar für große Belegschaften; einheitliche Qualität; automatische Dokumentation und Nachweisführung; geringere Kosten pro Teilnehmer | Weniger Interaktion; erfordert Selbstdisziplin; geringere Möglichkeit für individuelle Fragen | Unternehmen mit verteilten Standorten, große Belegschaften, Compliance-Grundschulung |
| Präsenz-Workshop | Intensive Interaktion; direkter Austausch mit Trainer; praktische Übungen möglich; hohe Aufmerksamkeit der Teilnehmer | Hohe Kosten (Trainer, Raum, Reise); schwer skalierbar; Terminkoordination aufwendig; keine automatische Dokumentation | Führungskräfte, spezialisierte Teams, Unternehmen mit Standort-Konzentration |
| Blended Learning | Kombiniert Vorteile beider Welten; Theorie online, Praxis vor Ort oder live; ermöglicht individuelles Lerntempo bei persönlicher Vertiefung | Höherer organisatorischer Aufwand; erfordert gute Abstimmung der Online- und Präsenzanteile | Unternehmen, die sowohl breite Grundschulung als auch tiefe Spezialisierung benötigen |
| Webinar / Live-Online | Interaktiv wie Präsenz, aber ortsunabhängig; Fragen in Echtzeit möglich; geringere Kosten als Präsenz | Zeitlich gebunden; technische Abhängigkeiten (Internetverbindung, Software); „Zoom-Fatigue" bei langen Sessions | Mittlere Gruppen, wenn persönliche Interaktion wichtig ist, aber Präsenz nicht möglich |
| Micro-Learning | Kurze Lerneinheiten (5–15 Minuten); gut in den Arbeitsalltag integrierbar; hohe Behaltensquote durch Wiederholung | Nicht für komplexe Zusammenhänge geeignet; erfordert regelmäßige Teilnahme über längeren Zeitraum; schwieriger für Grundlagenvermittlung | Ergänzung zur Hauptschulung, laufende Auffrischung, Sensibilisierung im Alltag |
Welches Format empfehlen wir?
Für die meisten Unternehmen ist eine Kombination aus E-Learning für die Grundschulung und Live-Elementen für Vertiefung und Praxisübungen der beste Ansatz. Die E-Learning-Komponente stellt sicher, dass alle Mitarbeiter eine einheitliche Basis erhalten -- unabhängig von Standort und Abteilung. Live-Sessions (ob Webinar oder Präsenz) ermöglichen dann den vertieften Austausch zu spezifischen Themen.
Micro-Learning eignet sich hervorragend als Ergänzung: Kurze, regelmäßige Einheiten halten das Wissen frisch und sensibilisieren für aktuelle Entwicklungen -- etwa wenn neue KI-Tools im Unternehmen eingeführt werden oder sich der regulatorische Rahmen ändert.
Auswahlkriterien für eine gute KI-Schulung
Nicht jede KI-Schulung, die am Markt angeboten wird, erfüllt die Anforderungen der KI-Verordnung. Verwenden Sie die folgenden acht Kriterien als Checkliste bei der Auswahl:
Die 8-Punkte-Checkliste
1. Rechtliche Fundierung Die Schulung muss sich explizit auf den AI Act (VO (EU) 2024/1689) und die DSGVO (VO (EU) 2016/679) beziehen. Allgemeine KI-Einführungen ohne rechtlichen Bezug reichen für die Erfüllung der Kompetenzpflicht nicht aus. Achten Sie darauf, dass konkrete Artikel und Erwägungsgründe zitiert werden.
2. Praxisbezug Theorie allein genügt nicht. Die Schulung muss konkrete Beispiele aus dem Arbeitsalltag enthalten -- idealerweise zugeschnitten auf Ihre Branche. Wie sieht der korrekte Umgang mit ChatGPT im Büroalltag aus? Was darf man eingeben, was nicht? Wie prüft man KI-generierte Ergebnisse?
3. Rollenspezifische Inhalte ErwG 20 verlangt, dass die Schulung den Kontext und die Erfahrung der Mitarbeiter berücksichtigt. Ein Sachbearbeiter hat andere Schulungsbedürfnisse als ein IT-Administrator oder eine Führungskraft. Gute Anbieter bieten differenzierte Lernpfade an.
4. Nachweisbarkeit und Dokumentation Im Falle einer Prüfung müssen Sie belegen können, dass Ihre Mitarbeiter geschult wurden. Die Schulung sollte daher eine automatische Dokumentation bieten: Teilnahmelisten, Abschlussbestätigungen, idealerweise ein Zertifikat. Bei E-Learning-Plattformen ist dies in der Regel standardmäßig integriert.
5. Aktualität Das Feld der KI-Regulierung entwickelt sich schnell. Die Schulungsinhalte müssen regelmäßig aktualisiert werden -- mindestens bei relevanten regulatorischen Änderungen, neuen Durchführungsrechtsakten oder wichtigen Entscheidungen der Aufsichtsbehörden.
6. Verständliche Sprache Nicht jeder Mitarbeiter ist Jurist oder IT-Experte. Die Schulung muss komplexe Zusammenhänge in verständlicher Sprache erklären, ohne dabei ungenau zu werden. Fachbegriffe sollten eingeführt und erklärt werden.
7. Interaktive Elemente und Wissensüberprüfung Bloßes Durchklicken von Folien ist keine Schulung. Achten Sie auf Quizfragen, Fallstudien und Praxisübungen, die das Verständnis überprüfen. Nur so können Sie sicherstellen, dass das Wissen tatsächlich angekommen ist -- und nur so haben Sie im Zweifel einen belastbaren Kompetenznachweis.
8. Skalierbarkeit und Integration Wenn Ihr Unternehmen 50 oder 500 Mitarbeiter schulen muss, brauchen Sie eine Lösung, die mitwächst. Prüfen Sie, ob die Schulung in bestehende Lernmanagementsysteme (LMS) integriert werden kann, ob eine API-Anbindung möglich ist und ob Gruppenlizenzen verfügbar sind.
Zertifikat -- worauf achten?
Viele Anbieter werben mit einem „KI-Zertifikat" oder einer „Zertifizierung nach AI Act". Hier ist Vorsicht geboten, denn der Begriff ist nicht geschützt. Worauf Sie achten sollten:
Was ein gutes Zertifikat auszeichnet
- Inhaltliche Substanz: Das Zertifikat sollte bestätigen, dass bestimmte Lerninhalte absolviert und ein Wissenstest bestanden wurde. Ein reines Teilnahmezertifikat ohne Prüfung hat wenig Aussagekraft.
- Bezug zur Rechtsgrundlage: Das Zertifikat sollte explizit auf Art. 4 VO (EU) 2024/1689 Bezug nehmen und dokumentieren, welche Themenfelder abgedeckt wurden.
- Gültigkeitsdauer: KI-Wissen veraltet schnell. Ein Zertifikat ohne zeitliche Begrenzung oder Auffrischungspflicht ist wenig glaubwürdig. Seriöse Anbieter empfehlen eine Erneuerung alle 12 bis 24 Monate.
- Personalisierung: Das Zertifikat sollte den Namen des Teilnehmers, das Datum, die behandelten Module und das Ergebnis der Wissensüberprüfung enthalten.
- Digitale Verifizierbarkeit: Im besten Fall ist das Zertifikat digital verifizierbar -- etwa über einen QR-Code oder eine eindeutige Zertifikatsnummer.
Was ein Zertifikat nicht ist
Ein KI-Schulungszertifikat ist kein offizielles staatliches Gütesiegel. Es gibt derzeit keine behördlich anerkannte „AI-Act-Zertifizierung" für Mitarbeiterschulungen. Der AI Act sieht in Art. 40-45 Konformitätsbewertungen für Hochrisiko-KI-Systeme vor -- diese betreffen aber die Systeme selbst, nicht die Schulung von Mitarbeitern.
Dennoch ist ein Zertifikat wertvoll: Es dient als Nachweis gegenüber Aufsichtsbehörden, Geschäftspartnern und im Rahmen interner Compliance-Dokumentation, dass Ihr Unternehmen die Pflicht aus Art. 4 ernst nimmt und aktiv umsetzt.
Kosten: Was KI-Schulungen kosten -- Orientierungswerte
Die Kosten für KI-Schulungen variieren erheblich je nach Format, Umfang und Anbieter. Hier eine Einordnung, damit Sie Angebote besser vergleichen können:
Kostenfaktoren im Überblick
| Format | Typische Kostenstruktur | Kostentreiber |
|---|---|---|
| E-Learning (Plattform) | Pro Mitarbeiter und Jahr oder Pauschallizenz | Anzahl der Nutzer, Funktionsumfang (LMS-Integration, Reporting), Individualisierungsgrad |
| Präsenz-Workshop | Tagessatz pro Trainer plus Nebenkosten | Trainer-Honorar, Raummiete, Reisekosten, Teilnehmerzahl, Dauer |
| Webinar / Live-Online | Pro Session oder als Paket | Trainer-Honorar, Plattformkosten, Gruppengrößen |
| Blended Learning | Kombination aus Plattformlizenz und Live-Elementen | Verhältnis Online/Präsenz, Individualisierung |
| Micro-Learning | Meist als Zusatzmodul oder in Plattform integriert | Anzahl der Lerneinheiten, Update-Häufigkeit |
Worauf Sie bei der Kostenbetrachtung achten sollten
- Gesamtkosten pro Mitarbeiter: Vergleichen Sie nicht nur den Stückpreis, sondern rechnen Sie alle Kosten ein -- einschließlich der Arbeitszeit, die Mitarbeiter für die Schulung aufwenden.
- Kosten der Nicht-Schulung: Stellen Sie die Schulungskosten den möglichen Konsequenzen gegenüber. Art. 99 VO (EU) 2024/1689 sieht Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes für Verstöße gegen wesentliche Pflichten vor. Die Schulungskosten sind dagegen marginal.
- Skalierungseffekte: Bei größeren Belegschaften sinken die Kosten pro Mitarbeiter erheblich, insbesondere bei E-Learning-Lösungen.
- Folgekosten: Berücksichtigen Sie die Kosten für regelmäßige Auffrischungen und Updates. Eine Schulung, die nach einem Jahr veraltet ist, muss komplett neu beschafft werden.
- Versteckte Kosten: Achten Sie auf Zusatzgebühren für Zertifikate, technischen Support, Einrichtung oder Individualisierung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist eine KI-Schulung für alle Unternehmen Pflicht?
Ja, sofern das Unternehmen KI-Systeme einsetzt. Art. 4 VO (EU) 2024/1689 verpflichtet alle Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, für ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz bei ihrem Personal zu sorgen. Da praktisch jedes Unternehmen heute KI-Tools nutzt -- sei es nur durch die Verwendung von ChatGPT, Microsoft Copilot oder KI-gestützten Suchmaschinen -- betrifft die Pflicht die große Mehrheit der Unternehmen. Es gibt keine Ausnahme für kleine oder mittlere Unternehmen.
Wie oft muss die KI-Schulung wiederholt werden?
Die KI-Verordnung schreibt keinen festen Turnus vor. Allerdings ergibt sich aus der Natur der Pflicht, dass die Kompetenz dauerhaft aufrechterhalten werden muss. Da sich sowohl die KI-Technologie als auch der regulatorische Rahmen schnell weiterentwickeln, empfehlen wir eine jährliche Auffrischung der Schulung. Zusätzlich sollte eine Nachschulung stattfinden, wenn neue KI-Tools im Unternehmen eingeführt werden oder sich wesentliche regulatorische Änderungen ergeben.
Reicht eine allgemeine KI-Schulung für alle Mitarbeiter?
Nein. Erwägungsgrund 20 der KI-Verordnung betont, dass die KI-Kompetenz den Kontext, in dem die KI-Systeme eingesetzt werden, und die Personen, die davon betroffen sind, berücksichtigen muss. Das bedeutet: Mitarbeiter im Kundenservice benötigen andere Schulungsinhalte als Mitarbeiter in der IT-Abteilung oder im Personalwesen. Eine Grundschulung für alle Mitarbeiter ist sinnvoll, muss aber durch rollenspezifische Vertiefungen ergänzt werden.
Können wir die KI-Schulung intern durchführen?
Grundsätzlich ja. Die KI-Verordnung schreibt nicht vor, dass die Schulung durch einen externen Anbieter erfolgen muss. Allerdings müssen Sie sicherstellen, dass die internen Schulungsinhalte inhaltlich korrekt, aktuell und umfassend sind. Insbesondere die rechtlichen Module (AI Act, DSGVO) erfordern Fachexpertise. In der Praxis kombinieren viele Unternehmen eine externe Grundschulung mit internen Ergänzungen zu unternehmensspezifischen Richtlinien.
Was passiert, wenn wir unsere Mitarbeiter nicht schulen?
Ein Verstoß gegen die KI-Kompetenzpflicht nach Art. 4 kann im Zusammenspiel mit anderen Verstößen zu Bußgeldern nach Art. 99 der KI-Verordnung führen. Auch wenn Art. 4 isoliert betrachtet nicht explizit in den Bußgeldkatalog aufgenommen ist, wird eine fehlende KI-Schulung bei Verstößen gegen andere Pflichten (z. B. Art. 26 Betreiberpflichten) als erschwerender Umstand gewertet. Darüber hinaus drohen zivilrechtliche Haftungsrisiken: Wenn ein Mitarbeiter durch unsachgemäßen KI-Einsatz einen Schaden verursacht, kann das Unternehmen wegen Organisationsverschuldens haften -- erst recht, wenn keine Schulung stattgefunden hat.
Fazit: KI-Schulung ist kein Nice-to-have, sondern Pflicht
Die KI-Kompetenzpflicht nach Art. 4 VO (EU) 2024/1689 ist keine unverbindliche Empfehlung. Sie ist geltendes Recht, das seit dem 2. Februar 2025 greift. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter nicht schulen, riskieren nicht nur Bußgelder, sondern setzen sich auch operativen und haftungsrechtlichen Risiken aus.
Eine gute KI-Schulung muss sechs Kernmodule abdecken -- von den technischen Grundlagen über den regulatorischen Rahmen bis hin zum praktischen Umgang und den unternehmensspezifischen Richtlinien. Das richtige Format hängt von Ihrer Unternehmensgröße und -struktur ab, wobei eine Kombination aus E-Learning und Live-Elementen für die meisten Organisationen der beste Ansatz ist. Bei der Auswahl eines Anbieters sollten Sie auf rechtliche Fundierung, Praxisbezug, Nachweisbarkeit und Aktualität achten.
Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Schulungsangebot lässt sich die Pflicht effizient und nachhaltig erfüllen -- und Ihre Mitarbeiter profitieren von Wissen, das sie im Arbeitsalltag direkt anwenden können.
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Rechtsquellen
- KI-Kompetenzpflicht – Art. 4 VO (EU) 2024/1689 (Quelle)
- Erwägungsgrund 20 – ErwG 20 VO (EU) 2024/1689
- Betreiberpflichten – Art. 26 VO (EU) 2024/1689
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für eine rechtliche Bewertung Ihres konkreten Falls wenden Sie sich bitte an einen spezialisierten Rechtsanwalt.
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